Beispiel · Quantenkontextualität

Eine starke Messung — aber noch kein vollständig geschlossener Ausschluss

Der Fall zeigt, warum ein Experiment erfolgreich sein kann und eine daraus gezogene Ausschlussaussage trotzdem noch einen entscheidenden offenen Punkt enthalten kann.

Ergebnis: Offen OPEN
Kurz gesagt

Die Messung sprach gegen nichtkontextuelle Erklärungen. Für den vollständigen Ausschluss musste aber zusätzlich gezeigt werden, dass mögliche Messstörungen über den relevanten Bereich ausreichend kontrolliert sind. Diese Absicherung war 2009 noch nicht vollständig — zugleich war nicht bewiesen, dass sie unmöglich wäre. Deshalb: offen.

Die sechs Fragen

1

Welche Aussage wurde geprüft?

Die Originalformulierung bleibt aus Gründen der Nachprüfbarkeit bewusst auf Englisch. Sie wird nicht stillschweigend übersetzt.

Kirchmair et al. (2009): experimental noncontextual-explanation claim, including the disturbance/imperfection qualifier.

Leserhilfe: Geprüft wird die veröffentlichte Ausschlussaussage einschließlich ihrer ausdrücklichen Einschränkung wegen möglicher Messstörungen.

2

Welcher Wissensstand galt?

23. Juli 2009. Es zählen nur die damals veröffentlichten Belege und die zu diesem Zeitpunkt verfügbare Praxis zur Kontrolle von Messstörungen. Spätere Methoden werden nicht rückwirkend eingerechnet.

3

Was war das Ergebnis?

Offen (OPEN). Ein für die volle Ausschlussaussage relevanter Punkt blieb ungeklärt.

4

Warum?

Für die behauptete volle Reichweite reichte es nicht, nur die gemessenen Verletzungen zu zeigen. Auch die Rolle möglicher Messstörungen musste über den relevanten Bereich abgesichert sein. Die vorhandene Kontrolle deckte diesen Umfang noch nicht vollständig ab. Gleichzeitig gab es keinen unabhängigen Nachweis, dass eine vollständige Absicherung grundsätzlich unmöglich wäre.

5

Was bedeutet das nicht?

Der Befund sagt nicht, dass das Experiment gescheitert ist, dass Kontextualität falsch ist oder dass nichtkontextuelle Modelle erfolgreich sind. Er sagt nur: Die volle Ausschlussaussage war zum damaligen Stand noch nicht in der behaupteten Stärke geschlossen.

6

Wann müsste neu geprüft werden?

Wenn eine tatsächlich verfügbare, ausreichend weit reichende Kontrolle der Messstörungen hinzukommt, ein gültiger analytischer Übertragungsweg vorliegt oder die Aussage selbst enger formuliert wird. Das wäre eine neue Prüfung, keine Korrektur des Befunds von 2009.

Fachliche Details anzeigen

Prüf-ID: RO2

P2-Übergang: L3→L2 (Zuordnung/Ausschluss)

Lokalisierung: A5 / Tragweite des Übergangs; die relevanten Abschlussmöglichkeiten sind erfasst, eine allgemeine Unmöglichkeit des Abschlusses ist jedoch nicht nachgewiesen.

Stichtag: 23. Juli 2009