Forschungsprogramm Präphysik

Wann trägt eine physikalische Aussage wirklich?

Eine Rechnung kann korrekt sein und ein Messergebnis präzise — trotzdem kann die daraus gezogene Aussage zu weit gehen. Präphysik prüft, ob genau diese Schlussfolgerung durch ihre Voraussetzungen, ihr Modell und die vorhandenen Belege gedeckt ist.

In 30 Sekunden

Drei Fragen schaffen Orientierung

Der Aufbau der Methode besteht aus drei Teilen. Für das Verständnis reichen zunächst diese Fragen:

1

Was muss vorher geklärt sein?

Ist klar, worauf sich die Aussage bezieht, wie Theorie und Messung verbunden sind und welche Annahmen das Ergebnis tragen?

Wissenschaftliche Grundlage: P1
2

Was trägt den Schluss?

Wenn wir von Voraussetzungen zu einem Modell, von einem Modell zu Daten oder von Daten zu einer Deutung wechseln: Ist dieser Übergang ausreichend begründet?

Wissenschaftliche Grundlage: P2
3

Reicht der damalige Wissensstand?

Für eine konkrete, datierte Aussage wird geprüft, ob noch ein für ihre Anwendbarkeit entscheidendes Problem offenbleibt.

Wissenschaftliche Grundlage: P3

Was ein Ergebnis bedeutet

Bestanden, offen — oder Verlust der Anwendbarkeit

Die Begriffe beziehen sich immer auf eine konkrete Aussage zu einem bestimmten Wissensstand. Sie sind keine pauschalen Urteile über eine ganze Theorie.

Bestanden PASS

Für die geprüfte Aussage bleibt unter den festgelegten Bedingungen kein entscheidender offener Punkt mehr.

Nicht gleichbedeutend mit: „wahr“.

Offen OPEN

Etwas Entscheidendes ist noch nicht ausreichend geklärt. Gleichzeitig ist nicht gezeigt, dass eine Lösung unmöglich ist.

Nicht gleichbedeutend mit: „falsch“.

Verlust der Anwendbarkeit LoA

Dieser stärkste Befund wird nur vergeben, wenn positiv gezeigt ist, dass die konkrete Aussage ihre notwendigen Anwendbarkeitsbedingungen nicht erfüllen kann.

Ein ungelöstes Problem allein genügt nicht.

Sechs Runs auf der öffentlichen Ebene

Was die Methode bisher gezeigt hat

Die Bilanz der öffentlichen Ebene lautet drei OPEN, drei PASS und null LoA. Ein siebter eingefrorener Run, GW-P (OPEN), ist auf der GW150914-Fallseite als Fachvertiefung dokumentiert und gehört nicht in diese öffentliche Bilanz. Die Fälle zeigen die Arbeitsweise; sie sind noch keine statistische Leistungsvalidierung.

Prominenter Testfall · GW150914 · LIGO

Ein berühmtes Ereignis, zwei unterschiedliche Aussagen

Die Detektionsaussage ist PASS; die stärkere kategorische Quellenzuordnung ist beim selben Wissensstand vom 11. Februar 2016 OPEN. So wird sichtbar, warum „Signal nachgewiesen“ und „Quelle eindeutig bestimmt“ zwei verschiedene Schlussleistungen sind.

Prominenten Fall öffnen →

Zusätzliche Fallstudie · außerhalb der öffentlichen 3/3/0-Bilanz

Galactic Centre Excess

Hier geht es nicht um eines der sechs öffentlichen Prüfergebnisse, sondern um Kommunikation: Wie aus einem begrenzten wissenschaftlichen Befund in einer besonders sichtbaren Kurzfassung eine deutlich stärkere Aussage werden kann.

Fallstudie lesen →

Wissenschaftliche Grundlage

Drei Arbeiten, eine zusammenhängende Aufgabe

P1, P2 und P3 sind die formale Grundlage hinter der verständlichen öffentlichen Darstellung. Die Fachbegriffe stehen hier bewusst erst an zweiter Stelle.

P1

Bedingungen

Welche Voraussetzungen muss eine physikalische Aussage grundsätzlich erfüllen?

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P2

Übergänge

Welche zusätzliche Begründung braucht der Schritt zwischen Voraussetzung, Theorie und Beobachtung?

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P3

Konkrete Prüfung

Sind diese Anforderungen für eine bestimmte, genau dokumentierte Aussage zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt?

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P9 · Functional Incompleteness Argument (FIA). Der FIA bestimmt drei Informationsarten, die für eine vollständige, nachprüfbare Anwendbarkeitsdiagnose rückgewinnbar und nicht durcheinander ersetzbar sein müssen: Anforderungen, Übergangsbegründungen und Token-Erfüllung. P1 → P2 → P3 ist eine konkrete Realisierung dieser Applicability-Diagnostic Function. P9 bleibt der separate Necessity- und Musteranker, keine vierte Verdiktstufe.